Unser Steckenpferd: die Rebsorte Malvasier

 

Malvasier in Geschichte und Literatur
Keine andere Rebsorte kommt so oft in Geschichte und Weltliteratur vor wie der Malvasier:
 

Schon 1478 drohte Kaiser Friedrich III in Rothenburg in seiner Weinordnung die höchste Buße demjenigen an, der Malvasierweine verfälscht. 

Martin Luther war ein großer Freund dieser Sorte, wie man vielerorts nachlesen kann:  

„... Eine ehrwürdige Matrone, die Witwe eines älteren Gilbrecht von Holzhausen, Katharina aus dem Geschlecht der Frosch, lies es sich nicht nehmen, dem gefeierten Manne, der so schweren Tagen entgegenging einen Krug edlen Malvasiers zur Stärkung zu schicken...“ (Luthers Aufenthalt in Frankfurt im Jahre 1520) 

... Am 26. April 1521 verließ Luther morgens ohne den Reichsherold (dieser holte ihn in Oppenheim ein) mit seinen Freunden in zwei Wagen die Stadt. Aleander berichtet darüber: „So ist denn der ehrwürdige Schurke gestern drei Stunden vor Mittag mit zwei Wagen abgereist, nachdem er sich eigenhändig in Gegenwart vieler Personen viele Brotschnitten geröstet und manches Glas Malvasier, den er außerordentlich getrunken hat...“ 

In Shakespeares Richard III wollten die Mörder die Leiche von Clarence in ein Malvasierfass schmeißen. 

In ‚Christoffel von Grimmelshausens abenteuerlichem Simplicissimus’ wünscht sich Springinsfeld, dass es hergehen möge wie im „Schlaraffenland“ (Gedicht von Hans Sachs) und er Malvasier saufen könne bis ihm die Augen übergehen: „Von Malvasier so sind die Brunnen, kommen eim von selbst ins Maul gerunnen.“ 

Schöne Geschichten und literarische Erwähnungen findet der Malvasier auch in einem Studentenlied von Josef Victor Scheffel über das Heidelberger Faß, das vom Zwerg Perkêo leergetrunken wurde. Dieses soll mit Malvasier gefüllt gewesen sein. 

Was hat die Dichter und Denker an diesem Wein so fasziniert und inspiriert? 

Charakter und Herkunft 
Die Weißweinsorte Malvasier heißt offiziell „Früher roter Malvasier“ und hatte seine größte Verbreitung in Deutschland vor dem 30jährigen Krieg. Die Trauben sind hell­rot, groß und dicht gepackt. Die Beeren wohlschmeckend und mittelgroß. Sein deko­ratives Laub ist der Grund, warum man ihn im letzten Jahrhundert oft als Hausstock an die Gehöfte gepflanzt hat.  

Seine ursprüngliche Heimat sind die ägäischen Inseln: Mit einem Wein dieses Nam­ens wurde schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts von Kaufleuten aus der Stadt Monembasia im Süden der Peloponnes gehandelt. Den Venezianern war es schon vor 1350 gelungen, Weinreben dieser Inselgruppe auf der Insel Kreta heimisch zu machen und auch den Namen Malvasier zu übernehmen.

Für die Venezianer wurde der Malvasier zwischen dem 14. Und dem 17. Jahrhundert zum wichtigsten Exportprodukt ihrer Inselkolonie. Sie taten viel dafür, um das Inter­esse an diesem Wein europaweit zu wecken und den Bedarf in allen Teilen Europas sicherzustellen. Sie nutzten dazu auch den verbreiteten spätmittelalterlichen Pilger-Tourismus. Da die Pilger bei ihren Reisen ins heilige Land meist Schiffe aus Venedig benutzten, auf deren Speisekarten Malvasier stand, findet sich der Name dieses Weines sowie Lobeshymnen auf seine Qualitäten in vielen Pilgerberichten. 

Malvasier heute
Heute sind u.a. Madeira-Weine aus Malvasier gemacht und auch auf Lanzarote wird er in Vertiefungen im Lavasand angebaut. Daran kann man seine Vorliebe für karge, steinige Böden erkennen. Er ist starkwüchsig: Wenn er auf fruchtbarem Boden steht, bekommt er Stämme wie ein Baum und riesige Blätter. Die Weine werden dann je­doch nichtssagend und er neigt eindeutig zum Massenertrag. Nur auf mageren Böden entfaltet er sein volles, eigenwilliges Aroma. Es bedarf deshalb schon einer gehörigen Portion Erfahrung und viel Arbeitseinsatz, um sich in Deutschland dieser Rebsorte zu widmen. 

Die Besonderheit der Weine 

Besondere Entfaltung findet er bei der Erzeugung von edelsüßen Weinen. Im Laufe seiner Reifung wird seine Farbe tief golden und sein Aroma immer honigartiger. Im Mittelalter war Malvasier daher auch das Synonym für mit Honig gesüßte und Kräu­tern gewürzte Weine. Gut vorstellbar, denn seine Aromen erinnern generell an Honig und Waldkräuter. Genießt man ihn, werden Assoziationen an einen Spaziergang durch einen feuchten Laubwald wach: feuchte Blätter, Moos und Wildkräuter. Eine Maibowle aus diesem Wein wird somit zum Erlebnis.  

Malvasier bei Mengers
Seit über 20 Jahren ist Dagmar Rückrich-Menger beim Bundessortenamt eingetra­gene Erhaltungszüchterin dieser Rebsorte, wie zuvor ihr Großvater. Als traditions­bewußter Mensch setzt sie sich im Betrieb und in der Öffentlichkeit für Erhaltung und Bewahrung dieser Traditionssorte ein.

Malvasier Bilder